|
Kursbuch
Ostholstein
Blickpunkte
Kleine Waldschänke
Ostseetherme
Haffkruger Fischlehrpfad
Wander
vorschlag
durch den »dänischen Kanal«
Geschichte
Vom schwierigen Umgang mit einem Kunstwerk
zurück
|
|
Mitten auf dem Lande in einer kleinen Senke am Pönitzer See, steht ein architektonisches Kunstwerk von Weltrang.
Es handelt sich - man höre und staune - um einen Kuhstall,
den ein avangardistischer Architekt, Hugo Häring,
in den Jahren 1922 bis 1928 erbaut hat.

Häring ist einer der
wichtigsten Vertreter der deutschen Architekturszene der zwanziger Jahre, die die internationale Architektur des vorigen
Jahrhunderts entscheidend geprägt hat. Und die Gutsanlage von Garkau ist sein im In- und Ausland
bekannteste Werk.
Dass der berühmte Architekturtheoretiker des “neuen Bauens” einen Kuhstall konstruierte und in Ostholstein realisierte, hat eine einfache Erklärung: der damalige Besitzer des Gutes war ein Anhänger der Kunst seiner Zeit und deswegen suchte er sich für den Neubau seiner Gutsanlage keinen traditionellen Architekten aus der Region sondern einen Avangardisten aus Berlin. |
|
|
Häring, ein Verfechter der Theorie des “funktionalen Bauens”, setzte die gestellte Aufgabe konsequent um.
Er konstruierte eine birnenförmige Aufstellung der Tier um einen zentralen Futtertisch. Öffnungen über dem Futtertisch erlaubten einen Abwurf des Futters
aus dem darüber gelegen Heuboden. Die schräg ansteigende Stalldecke erleichterte den Transport des Futters zu den Luken und förderte zugleich die Entlüftung des Stalles. An den Anbindestall für 42 Milchkühe schloss sich ein
halbkreisförmiger Stall für 23 Jungtiere an. Der Zuchtbulle hatte seinen Platz an der Spitze des Stalles in einem besonderen Käfig.
Der Bau erinnert mehr an eine konstruktivistische Skulptur als an einen traditionellen Viehstall. |
Eine nicht ganz unwichtige Frage hat der Theoretiker des ”funktionalen Bauens” allerdings nicht mitbedacht: Was macht man mit einem Gebäude, wenn es seine ursprüngliche Funktion verloren hat ?
Ein Kuhstall mit 42 Milchkühen ist heute nicht mehr rentabel. 1973 stellte man auf Garkau die Milchwirtschaft ein. Seither steht das Gebäude leer. Viele Architekten fordern den Erhalt dieses revolutionären Kulturdenkmals, das auch leer ein beeindruckendes und
hochinteressantes Bauwerk ist.
|

|